Wasch mich – aber mach mir den Pelz nicht nass

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Warum Deine Patienten sich gegen Veränderungen wehren – und 7 proaktive Schritte, die Deinen Patienten helfen können

Immer wieder haben Behandlerinnen und Behandler Grund zur Klage darüber, dass ihre Patienten bzw. Klienten nicht genügend mitarbeiten, wenn es darum geht, neue, gesündere Verhaltensweisen einzuführen. Und so wird es sehr oft frustrierend, weil die Behandlungserfolge ausbleiben bzw. zu lange brauchen.

Das Unfaire daran: Die Patienten definieren die Qualität ihrer Behandlung danach, wie schnell und wie gut sich Behandlungserfolge einstellen. Und dabei ziehen sie ihre eigene, fehlende Kooperation leider nicht in Betracht.

Ein wichtiger Schlüssel dafür, als kompetenter Behandler angesehen zu werden, liegt deshalb darin, die Patienten dazu zu bringen, so zu kooperieren, dass Erfolge sich auch wirklich einstellen können.

Also möchte ich in diesem und den beiden folgenden Artikeln einen Blick darauf werfen, warum es Menschen so schwer fällt, sich zu verändern und Dir insgesamt sieben Schritten an die Hand geben, um Veränderungen für Deine Patienten und Klienten womöglich leichter zu machen. Im nächsten Artikel, im Februar folgen dann die Schritte drei, vier und fünf und im März-Artikel die Schritte 6 und 7.

Wasch mich – aber mach mir den Pelz nicht nass

Zunächst einmal müssen wir uns darauf einstellen, dass die Veränderungsbereitschaft von Menschen, allgemein gesprochen, sehr gering ist. Studien zeigen zum Beispiel, dass 80 % der Menschen ihre guten Vorsätze innerhalb von sechs Wochen aufgegeben haben.

Wenn wir verstehen wollen, warum es so vielen Menschen geradezu unmöglich ist, ihr Leben zu transformieren, sollten wir einen Blick werfen auf ihre Glaubensmuster.

Denn die Tatsache bleibt: Die meisten Menschen wollen etwas in ihrem Leben verändern, werden aber tiefgreifend entmutigt durch ihre Ängste und Selbstzweifel, die ihre falschen Glaubenssätze erschaffen.

Und so stehen Menschen, die bereit sind, ihr Leben zu verändern, vor einer gewaltigen Aufgabe: Sie müssen bereit sein, sich ihrer Angst vor Veränderung zu stellen.

Warum Veränderung so schwer fällt

Wenn jemand sein Leben verändern will, ist es unbedingt erforderlich, dem denkenden Verstand, noch mehr aber dem unbewussten Verstand, klarzumachen, dass diese Veränderung dem eigenen Wohl dient. Diese Voraussetzung ist absolut fundamental, denn die Wahrheit ist diese: Egal ob wir es zugeben wollen oder nicht, wir hängen an unserer derzeitigen Lebensweise.

Wenn Du Dir jemanden vorstellst, der mit einer ganzen Vielzahl von Gesundheitsproblemen zu tun hatte: Chronische Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Schweregefühl in den Beinen und ähnliche Symptome. Jetzt kommt so jemand zu Dir in die Praxis. Und in der Praxis erfahren sie dann, dass sie ihre Ernährung umstellen sollten. Weniger Zucker, weniger fette, ungesunde Sachen, dafür mehr Obst und Gemüse.

Jeder der schon einmal versucht hat, seine Essgewohnheiten zu verändern, weiß, dass das nicht das einfachste ist. Andererseits wissen praktisch alle Menschen in unserem Kulturkreis, dass gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung die Lebensqualität dramatisch steigern wird. Und wir alle wissen, dass zu wissen, aber nicht zu tun im Endeffekt gleichbedeutend ist mit: Nicht wissen. Und Du kannst Dir bei Deinen Patienten im Grunde genommen den Mund fusselig reden, sie werden entweder zustimmend nicken oder mit den Augen rollen und Dir sagen, dass sie das ja wissen.

Obwohl Menschen wissen, wie gut z.B. eine gesunde Ernährungsweise für sie wäre, gibt es ganz tief im Unbewussten die Angst davor, niemals jemals wieder Schokolade, Kuchen und Chips essen zu dürfen. Und das gilt für alle schlechten Angewohnheit gleichermaßen. Sie sind uns gewissermaßen zur zweiten Natur geworden, und versprechen uns gute Gefühle, ohne große Anstrengung. Wer will schon leicht verfügbare gute Gefühle einfach so aufgeben?

Mit anderen Worten: Ein Teil der Angst kommt daher, dass wir fürchten, dass uns etwas weggenommen wird, das unser Gehirn als eine leicht verfügbare Belohnung empfindet.

Unser bewusster Verstand weiß, dass Schokolade, Kuchen und Chips nicht die gesündeste Ernährung sind, sondern eine wirklich schlechte Wahl. Aber unser Unterbewusstsein genießt jeden Bissen davon.

Und das zeigt, wie sehr die Angst vor Veränderung im Grunde genommen auch die Angst ist, etwas zu verlieren, was uns kurzfristig gesehen, gut tut. Und hier sind wir an einem sehr wichtigen Punkt. Die heutige neuere Wissenschaft hat sehr klar gezeigt, dass mit reiner Willenskraft Veränderungen nicht funktionieren können. Obwohl der Verstand weiß, dass Schokolade, Kuchen und Chips, Rauchen und Alkoholkonsum langfristig gesehen schädlich sind für unsere Gesundheit, gibt es etwas in unserem Gehirn, was mächtiger ist. Dieser Gehirnteil ist fokussiert auf die kurzfristigen Belohnungen.

Und dagegen kommt man mit reiner Willenskraft nicht an.

In dem Bewusstsein, dass sich in den nächsten 10-20 Jahren wahrscheinlich in der Forschung völlig neue Möglichkeiten noch auftun werden, möchte ich Dir hier an dieser Stelle trotzdem sieben mögliche Schritte geben, wie man dieser tief sitzenden Angst vor Veränderung so begegnen kann, dass die Willenskraft, die wir haben, ausreichen wird, um die anstehenden Veränderungen herbeizuführen.

Die ersten zwei Schritte, um der Angst vor Veränderung zu begegnen

1. Ein Belohnungssystem entwickeln

Der Grund, warum wir überhaupt Angst haben vor Veränderungen, ist ja der, dass wir Angst davor haben, etwas zu verlieren, was unser Belohnungszentrum stimuliert. Und wenn Du darüber nachdenkst: Wer möchte schon gerne etwas weggenommen bekommen, was gut tut, Spaß macht, sich wie eine Belohnung anfühlt?

Kurz gesagt, wenn ich jemandem etwas wegnehme, muss ich ihm etwas geben, was noch besser ist als das was ich weggenommen habe.

Jetzt könnte man natürlich sagen: „Naja, wenn ich aufhöre zu rauchen, zu trinken, ungesund zu essen… dann wird die Belohnung ja schon nach einer Weile kommen, in Form einer besseren Gesundheit.“ Doch das Problem ist: Das Belohnungszentrum in Deinem Gehirn ist auf kurzfristige Belohnungen aus. Dieser unbewusste Teil lässt sich nicht mit dem Versprechen ködern, dass es in einer weit, weit entfernten Zukunft (so empfindet dieser Teil das) alles viel besser wird. Es ist ein bisschen so, wie mit einem quängelnden Kleinkind. Es will die Süßigkeit jetzt, sofort, hier, an der Supermarktkasse und nicht erst zu Hause.

Viele Behandler reagieren dann in ihrer Hilflosigkeit so, dass sie die Angstkeule auspacken. Nach dem Motto: „Wenn Sie ihre Lebensweise nicht sofort verändern, dann…“

Das Problem hierbei ist: Wir können die Angst – hier: die Angst vor Veränderung – nicht einfach durch eine weitere Angst besiegen – in diesem Fall: die Angst vor negativen Konsequenzen der Zukunft. Und genau das ist auch das Problem mit den als Abschreckung gemeinten Bildern auf den Zigarettenpackungen. Jeder Raucher weiß, dass sein Verhalten gesundheitsschädlich ist. Aber die Angst vor Veränderung, sprich die Angst kurzfristige Belohnungen zu verlieren, ist nun mal größer.

Letztendlich ist es sogar so: Ungesundes Verhalten ist letztendlich eine Art von Stressbewältigungsmechanismus. Und jetzt füge ich mit der Angst vor negativen Konsequenz einen weiteren Stressor war hinzu. Das kann nicht funktionieren.

Deshalb müssen wir ein System mit dem Patienten entwickeln, dass auf Angst verzichtet und positives Verhalten schneller belohnt.

Hierbei ist die Beziehung zur Therapeutin bzw. zum Therapeuten von entscheidender Wichtigkeit. Wenn Du es schaffst, eine Beziehung herzustellen, die so gestaltet ist, dass Deinem Patienten wichtig ist, dass Du gut über ihn denkst, und Du gleichzeitig die Sitzungsfrequenz erhöhst, dann kannst Du durch Lob und anerkennende Worte sehr stark dazu beitragen, dass Dein Patient langsam aber sicher ein inneres Belohnungssystem für gutes, gesundes Verhalten entwickelt.

2. Die intrinsische Motivation stärken

 Jetzt sagst Du vielleicht: „Aber Alexander, der Patient soll sich doch nicht wegen mir verändern sondern für sich selber.“

Damit hast Du theoretisch recht, aber die meisten Menschen sind in einem Schulsystem konditioniert worden, dass jede Form von intrinsischer Motivation völlig ausgemerzt hat. Und deshalb ist es eine gute Brücke, erst einmal Dir gefallen zu wollen. Umso wichtiger ist dann der nächste Schritt, nämlich mit Deinem Patienten zu erarbeiten,  was diese Veränderung der Lebensweise für positive Konsequenzen haben würde. Und das durchaus auf eine Weise, dass alle Bereiche des Lebens unter die Lupe genommen werden, die sich dadurch verbessern würden.

Denn es ist schon ein Unterschied, ob jemand anfängt, sich gesund zu ernähren, weil es eben gesund ist, oder aktiv an einer Verhaltensänderung arbeitet, weil das ganz klare, konkrete Vorteile im eigenen Leben bringen würde. Und es ist wichtig, diese Lebensbereiche ganz klar zu benennen. Zum Beispiel: „Naja, wenn ich 15 Kilo abnehme und mich fitter fühle, dann kann ich mit meinen Enkelkindern wieder Verstecken spielen…“

Kurz gesagt: Für die meisten Menschen ist „gesünder sein“ viel zu abstrakt, weil sie es sich nicht vorstellen können.
Stattdessen: Erarbeite mit Deinen Patienten ganz konkrete, emotional erfahrbare Bilder, die zeigen, wie sehr sich ihr Leben zum besseren verändern wird.

Und dann zeigst Du Ihnen, wie Sie sich selber immer wieder dieses bessere Leben innerlich vorstellen können. Denn Visualisieren funktioniert – es stimuliert nämlich das Belohnungssystem. Und dadurch entsteht wirkliche, innerlich motivierte Veränderungsbereitschaft.

Probier diese beiden Schritte einmal bei Dir selber – und in Deiner Praxis aus. Im zweiten Artikel, der im Februar erscheinen wird, werde ich Dir dann die nächsten drei Schritte zeigen.

Bis dann,

Herzlichst
Dein Alexander Mark

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Bildnachweis:
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